Transkription der 1. Seite des Reglements:
Musik-Reglement für die Musikgesellschaft der
Gemeinde Meierskappel.
Zu wissen sei hiermit, dass laut der 52.
der Organisten-Verordnung vom 3ten Juni 1835 der Wunsch geäussert wird, dass die Gottesdienste künftig hin mit Musik möchten gespielt werden, zu welchem der Allfällige Organist beauftragt ist, die Instrumentale Musik allen Musikanten gehörig zu unterrichten.
Folge dessen haben die am Ende dieses Schreiben unterzeichneten Musikanten des nachstehenden Artikels festgehalten und unter sich daran zu halten verpflichtet.
"Ausgefertigt Meierskappel den 2ten Herbstmonat 1835"
Die Musikgesellschaft Meierskappel vereinte damals zehn engagierte Aktivmitglieder. Bereits um 1900 zählte der Verein acht Mitglieder – eine kleine, aber entschlossene Gemeinschaft, die den musikalischen Geist des Dorfes trug.
Bis 1930 wuchs der Bestand auf 16 Aktivmitglieder an, 1950 waren es bereits 25. Rund zwanzig Jahre später erreichte die Musikgesellschaft 45 Mitglieder. Diese Zahl prägt den Verein bis heute und zeigt eindrucksvoll, wie sich unsere musikalische Gemeinschaft über Generationen weiterentwickelt hat.
Mit dem Ende der sogenannten «Alten Musik» schlug Meierskappel ein neues musikalisches Zeitalter auf. Unter der Leitung von Jakob Knüsel (vorne in der Mitte) formierte sich 1931 die Musikgesellschaft neu. Zwar weiterhin immer noch ohne offizielle Uniform und Fahne, aber mit einem klaren Willen, das kulturelle Leben im Dorf mitzugestalten.
Am 15. Oktober 1931 wurde erstmals ein offizielles Protokoll geführt. Dieser Schritt markierte den Übergang von der mündlichen Überlieferung zur schriftlich dokumentierten Vereinsgeschichte. Ein Neubeginn, festgehalten für die kommenden Generationen.
Bild: Auszug aus dem GV-Protokoll vom 6. April 1932 / Jahresbericht 1932
Das erste dokumentierte Konzert des Vereins fand im Jahr 1932 im Restaurant Strauss statt. Auch wenn das eigentliche Konzertprogramm dieses Abends heute nicht mehr erhalten ist, erlaubt uns ein Blick in die historischen Unterlagen dennoch einen lebendigen Eindruck. Im Protokoll der Generalversammlung von 1932 findet sich folgender Hinweis, der uns einen wertvollen Einblick in die musikalischen Anfänge gibt:
"Im Januar 1932 gaben wir 2 Konzerte zum Besten, welche gut besucht wurden. 6 Musikstücke und 2 komische Stücke wurden flott gespielt."
1950 – ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der MG Meierskappel.
Nach 115 Jahren musizieren ohne einheitliche Uniform und ohne Vereinsfahne konnte der Verein endlich den lang ersehnten Schritt in eine neue Ära wagen.
Mit zunehmenden Engagements an auswärtigen Anlässen und grösseren Musikfesten wuchs der Wunsch nach einer repräsentativen Erscheinung. Über viele Jahre hinweg wurden Mittel gesammelt, sorgsam gehütet und durch grosszügige Spenden ergänzt. So konnte im Jahr 1950 ein Ereignis gefeiert werden, das weit mehr war als eine Anschaffung: die feierliche Fahnenweihe und die erste Uniformierung in der Vereinsgeschichte.
Dieser historische Moment markierte einen weiteren Neubeginn! Ein kraftvolles Zeichen des Zusammenhalts und ein hoffnungsvoller Auftakt in eine neue Epoche der Musikgesellschaft Meierskappel.
Das sind sie nun: In feierlichem Dunkelblau, mit goldgelber Kordel, Mütze, Hemd und Krawatte, gefertigt von der damaligen Uniformenfabrik Helbling & Co. in Rapperswil, wurde die neue Uniform der Musikgesellschaft Meierskappel am 16. Juli 1950 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zusammen mit der neuen blau-weissen Fahne aus der traditionsreichen Werkstatt Fraefel + Co., St. Gallen prägten sie über fast drei Jahrzehnte das neue Erscheinungsbild der Musikgesellschaft Meierskappel.
Die Fahnenweihe und die Neuuniformierung wurden an diesem Sommertag mit einem währschaften Dorffest gefeiert. Frühmorgens begann der Festtag auf dem Dorfplatz, gefolgt von der feierlichen Fahnenweihe in der Pfarrkirche. Beim Mittagessen im Gasthaus «Strauss» kamen Gäste und Musikanten zusammen, bevor die Sektionen aus Risch, Udligenswil, Küssnacht, Immensee, Root, Greppen und Dietwil den Tag musikalisch krönten.
Von nun an wurden die neue Uniform und die neue Fahne mit grossem Stolz an jedem Auftritt getragen und präsentiert.
Nach der Neuuniformierung im Jahr 1950 war die MG Meierskappel kaum mehr zu bremsen. Mit neuem Elan und frischer Ausstrahlung war der Verein in den folgenden Jahrzehnten an unzähligen kirchlichen Anlässen präsent und folgte regelmässig den Einladungen befreundeter Nachbarvereine. Die Musikanten waren viel unterwegs und prägten mit ihren Auftritten zahlreiche Veranstaltungen in der Region.
So spielte die MG Meierskappel unter anderem an:
Uniformweihe Feldmusik Udligenswil (1951)
Uniformweihe Musikgesellschaft Greppen (1952)
Kant. Schwyz. Jubiläums-Musikfest Arth (1953)
Fahnenweihe Feldmusik Udligenswil (1962)
Fahnenweihe Musikgesellschaft Immensee (1966)
Neuuniformierung Feldmusik Küssnacht(1966)
Fahnenweihe Musikverein Rotkreuz (1968)
Sommer- und Seenachtsfest Küssnacht(1972)
Neuuniformierung MG Immensee (1976)
Diverse Kurplatzkonzerte in Luzern (1967–1977)
Neuuniformierung Feldmusik Adligenswil (1978)
…und an vielen weiteren Anlässen. Die Musikanten von Meierskappel waren äusserst aktiv und trugen mit ihren regelmässigen Einsätzen wesentlich zum kulturellen Leben in der Region bei.
Seit dem Jahr 1970 verbindet die Musikgesellschaft Meierskappel und die Blasmusikgesellschaft Ottobeuren im Allgäu eine besondere Freundschaft, die weit über musikalische Begegnungen hinausgeht. Was einst mit ersten, neugierigen Besuchen begann, hat sich über die Jahrzehnte zu einer tiefen Verbundenheit entwickelt, geprägt von gemeinsamen Konzerten, herzlichen Gastaufenthalten und einer gelebten Kameradschaft, die bis heute Bestand hat.
Mit jedem Austausch wurde diese Beziehung gestärkt, sei es auf der Bühne, beim geselligen Zusammensein oder durch unzählige persönliche Begegnungen, aus denen echte Freundschaften gewachsen sind. Für all diese Momente, für die Gastfreundschaft, die Offenheit und die Treue über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg, sagen wir von Herzen DANKE!
Im Jahr 2023 durften die beiden Vereine ein besonderes Kapitel schreiben und ihr 50(+3)-jähriges Jubiläum in Ottobeuren gemeinsam feiern – ein Wochenende voller Erinnerungen, Musik und Dankbarkeit. Auch heute pflegen wir die Tradition der jährlichen gegenseitigen Konzertbesuche mit grosser Freude weiter. Diese langjährige Verbindung ist ein wertvolles Stück Vereinsgeschichte – und ein Geschenk, das wir mit Dankbarkeit und Stolz in die Zukunft tragen.
Seit jeher ist die Musikgesellschaft Meierskappel weit mehr als ein Verein! Sie ist ein lebendiger Teil der Dorfgeschichte. Und wenn in Meierskappel gefeiert wurde, dann richtig. Jubiläen waren nie bloss Zahlen, sondern Meilensteine, an denen Tradition, Gemeinschaft und Musik zusammenfanden.
1975, zum 140. Jubiläum wurde erneut eine Fahne eingeweiht – diesmal auf dem Tschümperlin-Areal. Niemand konnte damals ahnen, dass dies zur Geburtsstunde des legendären Röhrenfests werden sollte, das bis heute in vielen Erinnerungen nachklingt.
1985, zum 150. Jubiläum folgte ein Jubiläumskonzert mit einem Jubiläumsumzug durchs Dorf.
1995 produzierte die Musikgesellschaft anlässlich des 160. Jubiläums ihre eigene CD, natürlich begleitet von einem würdigen Fest.
2000 brachte das 165-Jahr-Jubiläum eine umfassende Neuinstrumentierung mit sich.
Zum 170. Jubiläum zog es die Musikanten in die Berge: Eine dreitägige Musikreise nach St. Anton am Arlberg wurde zum unvergesslichen Höhepunkt dieser Epoche.
2010, zum 175-Jahr-Jubiläum, erhielt der Verein seine heutige rote Uniform – bereits die dritte ihrer Art.
Danach wurde es etwas ruhiger um die ganz grossen Feiern. Zum 190-jährigen Jubiläum, feierte die MG Meierskappel wieder – bewusst kleiner, intern, dafür umso herzlicher. Eine zweitägige Reise ins Entlebuch stärkte den Zusammenhalt.
Und die Rigi selbst beschenkte uns mit einem neuen Rigi-Werbefilm, in dem auch die Musikgesellschaft eine Rolle spielen durfte.
Und eines können wir schon heute versprechen: wenn die Meierskappeler Musik ihr 200-jähriges Bestehen feiert, dann wird es wieder richtig gross. Dann wird Geschichte nicht nur erzählt, sondern geschrieben. Wir freuen uns heute schon darauf!